Zum Glück kann ich als Arbeit genau das machen, was ich wirklich liebe, und was schon immer mein Hobby war.
Auf dieser Seite möchte ich ziemlich detailliert und chronologisch erzählen, wie ich immer mehr den Computern verfiel. Wenn jemanden nur die Fakten interessieren, dem kann ich meinen fachlichen Lebenslauf empfehlen, hier werde ich nur zusätzliche Hintergrundinfos über meine Laufbahn im Berufsleben erzählen.

Anfangs

Mein naturwissenschaftliches und technisches Interesse habe ich schon in der Grundschule entdeckt. Ich hatte nie Probleme mit Mathe, und das logische Denken hat mich schon immer fasziniert. Am Nachmittag im Kinderhort durften wir einige ausgesuchte Bücher vom Bücherregal lesen, da habe ich das Handbuch über Kybernetik gefunden (wie ist es denn da gelandet?) Seitdem (ungefähr ab 3. Klasse) interessieren mich die Maschinen und Geräte, und wie alles funktioniert. Zu Hause habe ich fast alles auseinandergenommen (ich habe einmal sogar einen zerlegten Haartrockner eingesteckt und eingeschaltet ;), da ich selber sehen und rausfinden wollte, wie die Sachen funktionieren.

Taschenrechner

Nach einem Jahr habe ich etwas gefunden, was beide meinen Interessen anspricht, als wir in der Schule im Mathe-Kreis über programmierbare Taschenrechner gelernt haben. Es hat mich sehr fasziniert, dass man alle auf der Sprache der Logik beschriebene Operationen mit Maschinen ausführen lassen kann.

C=64

Damals war der Commodore 64 der Computer. Meine Eltern sind Musiker, so konnten sie schon immer leichter und öfters ins Ausland (nach Westen) reisen, sie haben diese Gelegenheiten ausgenutzt und immer Sachen eingeführt was man gut verkaufen konnte. So ist es geschehen, das ich einmal einen echten C=64 in die Hände bekommen habe, da meine Eltern mit mir die Maschine testen lassen wollten, bevor es verkauft wurde. Natürlich habe ich schon vieles über diesen Rechner gehört, im TV lief damals sogar eine Lehrsendung namens TV Basic, ich konnte trotzdem nur genau so viel mit der Maschine anfangen, als mit einem Taschenrechner, da ich nur so viel wusste, dass ? für print steht, und man damit Ausdrücke auswerten und das Ergebnis ausschreiben lassen kann.

Programmieren

Diese Unfähigkeit hat mich so sehr gestört, dass ich mir vorgenommen habe, ich werde lernen wie man einen Computer bedient, was für mich soviel bedeutete, dass ich gründlich die Fähigkeiten des Computers und das Programmieren studieren werde. Ich wollte nie wieder eine Situation erleben, wo ich die Fähigkeiten einer Maschine nicht vollständig kontrollieren und ausnutzen kann. So hat also alles für mich angefangen, ich habe schon in 1984 Programmieren mit Hilfe der Sendung TV Basic (ich habe den Ton sogar auf Kassette aufgenommen) und des gleichnamigen Buches gelernt.

In den nächsten Sommerferien bei meinen Großeltern habe ich mein erstes (Basic) Programm geschrieben: ein Kalkulator, wo man die Rechenoperation und die Zahlen eingeben musste, dann hat der Computer das Ergebnis ausgegeben. Natürlich habe ich nur auf Papier programmiert, da ich noch keinen Zugang zu einem Computer hatte. Die Lage hat sich noch über ein gutes Jahr nicht geändert, in dieser Zeit habe ich meinen Mitschülern zu Hause besucht, wo ich deren Rechner benutzen durfte.

ZX Spectrum

So bin ich auch das erste Mal auf den ZX Specturm gestoßen, weil man wo ich am häufigsten zum Besuch war so eine Maschine im Haus hatte. Ich hatte den Spectrum sofort sehr gern, da das eingebaute Basic schon viel mehr (Grafik, Sound) konnte, als ein C=64, und es funktionierte sogar mit einem gewöhnlichen Kassettenspieler. Es hat mir auch sehr gefallen, dass man die Befehle nicht eintippen, sondern per Tastenkombination aufrufen konnte (auf dieser klassen Gummitastatur), und die Syntax-Kontrolle schon beim Eintippen ablief. Auf dieser Maschine habe ich dann das Basic vollständig erlernt, danach habe ich sogar die Z80 Maschinensprache angefangen, aber ohne Erfolg, da alle meiner Maschinencode Versuche nur zum Einfrieren führten. Ich habe in einem öffentlichen Computerraum dann gehört, dass auch andere das selbe erlebt und erfahren haben wenn sie mit Z80 Assembly rumgespielt haben.

Mein erster Rechner

In 1986 haben meine Eltern endlich eingesehen, obwohl sie aus mir auch einen Musiker machen wollten, dass mich viel mehr die EDV interessiert, deshalb haben sie eingewilligt und ich durfte die Musikschule verlassen (da ich schon soweit war dass täglich mehrere Stunden Übung nötig gewesen wäre). Als Zeichen ihrer Unterstützung haben sie sogar zugesagt mir einen Computer zu kaufen. ich musste es gut überlegen, welches Model ich mir wünschen sollte: ich kannte schon den C=64, ZX Spectrum, C=+4, und damals habe ich etwas von einer Maschine namens Enterprise gehört, was alles dagewesene übertreffen sollte, deshalb war meine Präferenz genau so (also in ungekehrter Reihenfolge). Und ich habe einen C=64 mit Kassettenspieler bekommen. Macht ja nichts, da dank geschäftlichen Wettbewerb alle andere Computer schon seit viel länger ausgestorben sind.

Nach einem Jahr haben meine Eltern mir noch einen VC 1541-II Diskettenlaufwerk gekauft, so konnte ich nach der Kassettenära endlich eine neuere Speichertechnologie kennenlernen. Dann habe ich an einem Computerkurs teilgenommen, aber da habe ich nichts neues gelernt, nur einen ungarischen Computer, den Primo kennengelernt (mit dessen harter Sensortastatur).

Basic

Um 1987 alle in meiner Umgebung wussten schon mich zu schätzen: die Kinder eines Bekannten meiner Eltern haben mich gebeten sie programmieren zu lehren, und für die Mathematiklehrer Eltern meines Freundes habe ich ein interaktives graphisches Funktionsdarstellungsprogramm geschrieben (man konnte beliebige mathematische Ausdrücke verwenden, dies wurde dynamisch als Basic Code eingefügt, mögliche Syntaxfehler oder Rechenfehler (z. B. /0) führten zum keinen Programmabbruch!). Ich wurde sogar schon in der Grundschule anerkannt: ein Schulkamerad hat mich immer damit gequält, dass ich ihm erzählen sollte, was Maschinencode überhaupt ist...

Assembly

Meinen eigenen Computer habe ich dann gründlich bis zum absoluten Profilevel studiert und kennengelernt. Zum Glück hier hat schon mein erstes Assemby Programm ohne Probleme funktioniert (Zähler am Bildschirm), und es hat mich dabei sehr überrascht, wie viel schneller Maschinencode ausgeführt wird als Basic. Dann wurde es mir klar, dass die phantastischen visuellen Tricks der Computerspiele nur in Assembly machbar sind (damals haben mich Spiele nur wegen deren technischen Lösungen interessiert), deshalb wurde ich auch im Bereich Maschinencode Profi. Ich habe ausführlich den ROM studiert, und kleine Tools geschrieben, die z. B. die seitlichen Bildschirmrahmen verschwinden ließen, oder ermöglichten die Kontrolle eines Sprite-Pfeiles per Joystick (a la Windows Mauscursor). Ich habe sogar auch ein komplettes ASCII Bildschirmdesigner Programm entwickelt. Für Forschungszwecken habe ich viele Hilfsprogramme dekompiliert: beim Turbo Diskettenlader CSany habe ich z. B. solche Sachen gesehen, dass nicht alle Opcodes dokumentiert sind (daraufhin habe ich alle möglichen Codes durchprobiert und analysiert), und dass im VC 1541 Diskettenlaufwerk der selbe CPU verbaut ist, wie im C=64, so konnte man parallele Programme auf 2 Prozessoren schreiben, und genau das hat dieser Turbolader ausgenutzt.

Wettbewerb

In 1988 habe ich an einer Programmierer-Ausschreibung in der Computertechnik-Zeitschrift (Mikrovilág) teilgenommen. Im Wochentakt musste ich solche Programme Schreiben, wie z. B. Mühle gegen den Rechner, 3D tic-tac-toe gegen den Rechner, Simulation von Aufzugssteuerung, Schachaufgabe Lösungsprogramm, usw. Obwohl ich für alle Aufgaben ausgezeichnete Lösungen in Basic und Assembly eingereicht habe, musste ich miterleben wie ich langsam immer mehr in der Rangliste nach hinten abrutschte. Erst nach der Resultatverkündung habe ich erfahren, dass ich veraltete Technologien angewendet habe, da fast alle anderen schon in Pascal auf PC-s gearbeitet haben (und auch nicht in meiner Altersgruppe waren ;).

In dieser Zeit wollte ich schon solche Programme schreiben, wie z. B. Lebenszyklussimulation eines Sternes (weil Astronomie mich sehr interessiert), oder ein Ballerspiel (motiviert vom Dungen Warriors), oder einen Knight Rider ;) Emulator. Ich habe auch erkannt, dass dies mit meinem damaligen Wissen zu große Projekte wären, deshalb wollte ich unbedingt neuere und modernere Programmiertechnologien und Sprachen erlernen. So habe ich angefangen PC-s und ernsthaftere Programmiersprachen kennenzulernen.

PC

Zum Glück haben meine Eltern mich dabei unterstützt, sie haben versucht jemanden in der Stadt aufzutreiben der mich sowas lehren kann. Leider haben sie in unserer Kleinstadt niemanden finden können, aber ich habe so zumindest einen Techniklehrer kennengelernt, der in einem Gymnasium einen Computer-Fachkreis mit PCs gehalten hat. Dieser Lehrer hat mich in die Richtung der Sprachen C und Pascal geleitet, und mir ein Buch über 3D Computergrafik gegeben. Mich hat ganz besonders die Mathematik dahinter interessiert, so habe ich schon als Grundschüler solche Sachen erlernt wie Winkelfunktionen, Matrizen und multidimensionale geometrische Abbildungen und Transformationen.

In der Sommerpause zwischen Grundschule und Gymnasium haben mich meine Eltern in einen Computer-Sommerkurs eingeschrieben. Aber da hat man nur solche Spielereien gemacht wie die Darstellung verschiedenen Formen (Vierecken, Dreiecken, Teile eines Viereckes, usw.) mit Hilfe von Schleifen. Da ich diese Aufgaben in sekunden Schnelle gelöst habe, der Kursleiter wollte mich schon nach Hause schicken, weil man da mir nichts mehr beibringen konnte, aber zum Glück da war noch ein fast genau so cleverer Bursche, so durfte ich die ganze Zeit diesem die C=64 Maschinensprache beibringen...

In diesem Sommer habe ich auch das erste Mal einen PC aus der Nähe gesehen: ich habe gerade in einem PC Fachgeschäft nach Fachbücher gesucht, als ich ganz hinten gesehen habe, wie ein Mann einen PC benutzt. Das erste was mich sofort fasziniert hat, wie schön eben der Schrift auf dem Bildschirm aussieht (das war schon eine Höhere Qualitätsstufe als beim C=64), und man auf dem ganzen Bildschirm arbeiten konnte ohne störenden Rahmen.

Gymnasium

Während meinen Jahren im Gymnasium habe ich mich auf PC spezialisiert, meinen C=64 zu Hause habe ich kaum noch eingeschaltet. So zu sagen zum Abschied im Sommer 1989 habe ich für das Fahrradgeschäft meines Onkels ein Geschäftskontaktsverwaltungsprogramm auf C=64 entwickelt (dies war mein erstes verkauftes Programm!), damit habe ich 10000 Forint verdient. Danach habe ich mich immer häufiger (im ersten Schuljahr noch beim konkurrenten Gymnasium) im PC Lab des Gymnasiums aufgehalten und dort die Maschinen studiert. Die Programmiersprache Pascal habe ich noch zu Hause am C=64 ausprobiert, aber die Oxford Pascal Umgebung hatte keine Chance gegen die Bequemlichkeit von Turbo Pascal auf den PCs.

Anfangs in meinen Freistunden (davon wurde während den 4 Jahren immer mehr) habe ich noch den einzigen Rechner im Bibliothek benutzt. Darauf habe ich DOS und Windows 3.11 kennengelernt. Im zweiten Jahr wurde ein separater Raum mit ein Paar Rechnern eingerichtet, da durfte ich sogar beim Ausbau des Netzwerkes mithelfen, weil ich bis dahin mit dem Schultechniker Freundschaft geschlossen habe. An diesem kleinen Netzwerk war natürlich ich der Administrator, so konnte ich die Administration von Novell Datei- und Druckerservern erlernen. Als Viertklässler durfte ich sogar im Rahmen der Technikunterricht den kleinen Basis-Anwenderkenntnisse beibringen, und mir wurde offiziell erlaubt, dass ich die Rechner auch allein fast immer benutzen durfte. So habe ich manchmal meine Nachmittage, oder sogar Wochenenden und einen Teil des Sommerurlaubs lieber im Rechnerraum verbracht.

In 1990 neben den vielen anderen Lernwettbewerben habe ich die Endrunde beim Tihamér Nemes Nationalen Computerlernwettbewerb erreicht, und auch die Endrunde beim microCAD Wettbewerb in Miskolc, Ungarn erreicht. Der letztere war eigentlich eine Ausstellung, der Wettbewerb mit zwei Runden war nur der krönende Abschluss, und als erster Preis winkte eine komplette PC Konfiguration. Leider konnte ich die Endaufgabe (3*3 Puzzle Algorithmus) auf einem C=64 nicht richtig kodieren, aber zumindest habe ich an der Ausstellung viele Computeranimationsfilme sehen können.

Nach einem Jahr habe ich mich an diese zwei Wettbewerbe nochmal qualifiziert: beim Tihamér Nemes Nationalen Computerlernwettbewerb habe ich Platz 17. erreicht, beim microCAD war ich leider schon nach der ersten Runde raus, obwohl die Finale ich ziemlich leicht gewonnen haben könnte, da man eine 3D animierte Werbung für die Ausstellung machen musste, und in diesem Thema ich schon reichlich Erfahrung gesammelt habe... Aber in meinem ganzen Leben war es so, dass ich nichts gewonnen habe, ich musste schon immer für alles hart arbeiten. Apropos Arbeit: in diesem Sommer zusammen mit einem Mitschüler (der zugleich der Sohn des Direktors von FALCO in Szombathely war) habe ich ein Schnittmusteroptimierungsprogramm für diese holzverarbeitende Firma geschrieben (mein erste Bestellung von einer großen Firma), und damit 20000 Forint verdient.

Im Bereich Informatik habe ich außerdem zweiten Platz im nationalen Gordius line Mathematik-Informatik Wettbewerb belegt. Aber was mir später wirklich geholfen hat war mein 17. Platz beim Tihamér Nemes Wettbewerb: damit wurde ich ohne Aufnahmeprüfung an den Programmierenden Mathematiker Fach der Uni ELTE aufgenommen. Deshalb wurde ich sogar in den Fachkreis der János Neumann Gesellschaft nach Budapest eingeladen, so durfte ich alle zwei Wochen einen ganzen Tag wegen diesem Fachkreis aus der Schule fehlen. Ich durfte auch bei der Auswertung der Arbeiten fürs Tihamér Nemes Computerwettbewerb mithelfen.

Uni

Die Uni steht in Budapest, so musste ich als Student dahin umziehen. Ich war bis dahin schon Profi in Pascal geworden, und habe schon mit C++ und OOP angefangen. Natürlich dies alles nur neben bei, weil auf der Uni (und das kann ich ruhig sagen) als Programmierer habe ich kaum was neues gehört, aber in den Bereichen Mathematik und ganz besonders Logik (z. B. Programmrichtigkeitsnachweis) habe ich viel dazu gelernt.

Als Erstklässler wohnte ich noch im Studenntenwohnheim, da habe ich erstaunt gesehen, wie viel Zeit man mit sinnlosen Rollenspielen verbringt. Ich selber hatte noch keinen Rechner, aber im ersten Jahr habe ich es auch nicht benötigt. In den Rechnerräumen der Uni habe ich das erste Mal das Internet, und die Welt der Terminals und Serverhost erlebt. Ich habe mich im Wohnheim nicht sehr wohl gefühlt, zum Glück nach einem Jahr ist ein Bekannter mit seiner ganzen Familie für Jahren nach Ausland verreist, und ich durfte in ihrer Wohnung wohnen. So hatte ich meine Ruhe, aber gerade dann wurde in jedes Zimmer im Studentenwohnheim das Internet eingeführt, und ich musste weiterhin die öffentlichen Rechner an der Uni benutzen. Dann habe ich meinen ersten PC bekommen, und dieser war auch der letzte Rechner den meine Eltern finanziert haben. Damit ich auch von zu Hause aus das Netz benutzen kann, ich habe mir ein Modem gekauft und angefangen die Dial-Ups und BBS Systeme kennenzulernen.

Sommerpraktikum

Im Sommer 1994, 95 und 96 habe ich an Sommerpraktikum teilgenommen. Zuerst war ich beim Jenõ Gothard Observatorium in Szombathely, da dieses Institut gerade dann zum Uni angekoppelt wurde, und es wurde da auch ein Sun Rechenzentrum eingerichtet. So habe ich die Möglichkeit gehabt bei der Installation und Ausbau der Oracle Datenbank zu helfen. Später habe ich meine erste Diplomarbeit auch hier geschrieben. Im nächsten Jahr durch die Vermittlung von IAESTE bin ich nach Köln gereist, wo ich beim Bundesanstalt für Straßenwesen ein Sommerpraktikum für 1000 Mark pro Monat zwei Monate lang gemacht habe. Damals war dies sehr viel Geld, und ich konnte das berüchtigte deutsche Beamtenleben hautnah miterleben, ich durfte Hosts programmieren und die ganze Zeit habe ich mit einem Laptop gearbeitet. Man war mit meiner Leistung so zufrieden, dass man mich ein Jahr später wieder eingeladen hat. Die Aufgaben haben mich aber nicht mehr vollständig ausgelastet, so habe ich mich in meiner Freizeit auf die damals noch ziemlich junge Java Programmiersprache gestürzt.

Java

In diese Richtung hat mich die Professorin der Programmiersprachen gelenkt, es war nämlich unser Ziel, dass wir zusammen mit einigen Studenten das erste Java Fachbuch auf Ungarisch fertigmachen. Später hat diese Autorengruppe mehrere Bücher zusammengestellt, die danach als Pflichtlektüre an der Uni empfohlen wurden. Das Wissen und Erfahrungen die ich in dieser Zeit gesammelt habe haben meine Arbeit als IT Berater vorbereitet.

Einstieg ins Berufsleben

Als ich mein erstes Diplom in meine Hände bekommen habe, ich habe entschieden dass ich neben dem Studium anfange werde zu arbeiten. Ich habe aus dem Telefonbuch Softwarefirmen ausgesucht, und da nachgefragt, ob man einen neuen Mitarbeiter brauchen würde. Leider war der Großteil der Adressen nur Briefkastenadressen, und bei den wenigen richtigen Firmen hat man mich nicht ernst genommen, mit Ausnahme von einer einzigen Firma. Bei dieser Firma fing ich an als Programmierer, später aber habe ich auch das Netzwerk ausgebaut und administriert. Auch im Bürohaus wo die Büroräume der Firma waren wurde ich Netzwerkadministrator. Ich war nie in meinem Leben Angestellter, deshalb habe ich mich sofort selbstständig gemacht. So konnte ich neben Programmieren auch andere Sachen machen, ich habe z. B. HP Unix Kursmaterial aus dem Englischen ins Ungarische fachübersetzt.

Durch die damaligen Mitarbeiter bei der ersten Firma habe ich einen umfangreichen Bekanntenkreis ausbauen können. Einige haben die Firma verlassen und eine eigene Firma gegründet, ich habe mein zweites Diplomthema auch so bekommen, der Themenleiter war auch einer dieser Mitarbeiter, der hat mich sogar bei Firmen seiner Bekannten weiterempfohlen. So gaben es Zeiten, als ich gleichzeitig für 4 verschiedene Firmen gearbeitet habe, und das alles neben dem Unistudium...

Spiele

Das Leben am Arbeitsplatz hat meine bisher nur rein technische Interesse zu Computerspielen geändert. Abends als schon alle nach Hause gegangen waren und nur noch ein kleiner harte Kern geblieben war, wir haben öfters auf den Arbeitsrechnern(!) Doom gespielt. So habe ich erfahren, wie interessant, spannend und amüsant es werden kann auf einander durchs Netz zu ballern. ;)

Cheops

CHEOPS Als ich mein Doktorat angefangen habe, ich hatte noch mehr Zeit übrig fürs Arbeiten. Da meine Situation in der Mietwohnung immer unangenehmer wurde, ich habe angefangen nach Arbeitsmöglichkeiten im Ausland zu suchen. So hat mich ein Studienkollege bei einem Vermittler anempfohlen, und ein Kopfjäger hat mit mir Kontakt aufgenommen. Wir haben uns zuerst in Wien versucht, aber das hat nicht richtig geklappt. Danach habe ich von einem deutschen Projekt namens Cheops erfahren.

Ich bin da so reingekommen, dass ein Bekannter meines Vermittlers Leute für Deutschland gesucht hat, und im Kontakt mit einer deutschen Vermittlerfirma hatte. Ein deutscher Vermittler hat mit mir dann ein Telefoninterview gemacht, erst danach wurde ich nach Frankfurt eingeladen. Von dorthin hat man mich nach Essen schoffiert, wo ich für das Projekt einen Annahmetest bestehen musste. So bin ich am Ende bei einer Softwarefirma (IFS) gelandet, wo man für das Cheops Projekt Programmierer (Kunde war RWE) gesucht hat. Jetzt habe ich schon 50 Mark pro Stunde verdient. Wenn man bedenkt, dass ich eigentlich über vier Vermittler verkauft wurde, kann man leicht vorstellen, dass ich keine billige Arbeitskraft war. Der Kunde hat für mich ganz genau 168 Mark pro Stunde bezahlt. Dies konnten wir am Anfang noch von den Stundeabrechnungen ablesen. Erstaunlicherweise war ich damals der billigste zwischen den fast 200 Projektmitarbeitern!

Ich wurde da als einfacher Java Programmierer aufgenommen. Nach zwei Wochen Schulung (in dieser Zeit wohnte ich noch im Hotel, danach habe ich eine kleine Wohnung gemietet da es so billiger war) ich fing bei einem fachlichen Team an, aber ich konnte schon sehr früh ausfinden und klären, dass die Aufgaben die ich machen sollte schon von einem anderen Team bearbeitet wurden. Der Teamleiter hat mir keine neuen Aufgaben gegeben, so habe ich mich in die Tiefen des technischen Frameworks eingegraben. Dabei habe ich immer an meinem neuen Laptop mit Kopfhörer Musik gehört, und es mir bequem (Füße hoch ;) gemacht. Später habe ich dies vom Teamleiter so zurückgehört, dass ich nicht teamfähig sei, deshalb wollte er mich nach meiner dreimonatigen Probezeit nicht mehr haben. Bis dieser Zeit war ich schon mit einigen Leuten befreundet, und die haben gemeint, ich habe mit meinen selbständigen Aktionen meinen Chef wütend gemacht, und sie haben mich auch davon abgeraten dass ich das alles am letzten Tag in einer Email an alle schildern und erklären versuche. So habe ich keine Panik gekriegt, ich bin direkt zum Leiter der Techniktruppe gegangen und nachgefragt, ob sie vielleicht einen neuen fähigen Mitarbeiter brauchen könnten. Zum Glück wurde ich sofort genommen, so bin ich im GUI Team gelandet und die nächsten 3 Jahre habe ich da gearbeitet. Diese waren noch goldene Zeiten, mein Wert ist auf 250 Mark pro Stunden hochgeklettert (ich habe dies nur später erfahren können da die Stundensätze von unseren Stundenabrechnungen verschwunden waren), die Arbeitszeit war noch uneingeschränkt, so konnte ich einen neuen Rekord mit meinen 320 abgerechneten Stunden im Juni 2000 aufstellen.

Inzwischen wurde ich noch einmal gefeuert, obwohl ich wieder nicht Schuld daran war. Die Kundenfirma hat nämlich die ungarische Vermittlerfirma zu verdächtig gefunden. Die Leiter der deutschen Beraterfirma haben mich persönlich besucht und mir geraten, dass ich keine Probleme machen und beim Kunden persönlich kündigen sollte, als Begründung sollte ich erzählen dass ich neben meiner Doktorarbeit keine Zeit mehr frei hätte. Da ich keine andere Möglichkeit hatte, habe/wurde ich genau so gekündigt. Zu Hause musste ich zum Glück nur einen Monat warten, dann habe ich (ganz zufällig) erfahren, dass die ungarische Firma schon alle erwünschten Papiere und Erlaubnisse besorgt hat. Darauf hin habe ich sofort Kontakt mit meinen Freunden beim Projekt aufgenommen und nachgefragt, wie es bei ihnen aussieht, die haben dann die Verantwortlichen benachrichtigt dass ich wieder verfügbar wäre, so hat man mich schon am nächsten Tag angerufen und gefragt wann ich dann wieder da anfangen könnte... Später habe ich auch davon erfahren, dass die deutsche Vermittlerfirma in meiner Abwesenheit versucht hat ihren eigenen Mann ins Projekt einzubringen, aber ich war natürlich nicht so leicht zu ersetzen.

Mit der Zeit wurde alles langsam immer schlimmer. Das CHEOPS Projekt an sich wurde in den Sand gesetzt, nur ein Paar Softwarebausteine haben als eigenständige Projekte überlebt. Dann wurden alle Externen nacheinander gekündigt, so lange habe ich aber nicht warten wollen und mich schnell im Softwarehaus umgehört, so konnte ich mich noch rechtzeitig in ein anderes Projekt mit neueren Technologien rüberretten können. Andere Zeichen des Rückganges war z. B. das immer kürzer Werden der Intervallen von Vertragsverlängerungen. Früher wurde nämlich alle 3 Monate und für immer höheren Stundenlöhne verlängert, jetzt aber noch für 2, dann nur noch monatlich verlängert und die Stundensätze wurden bei jeder Verlängerung immer kleiner. Ich konnte mich aber nicht für lange retten, da ich schon nach einem Monat mit meiner Arbeit fertig war, und mir dann erst gesagt wurde, dass für mich keine weiteren Aufgaben geplant waren.

Also musste ich mich wieder bei den Hausprojekten umschauen, und wieder habe ich mich rüberretten können ins Einführungsprojekt. Da war ich der erste echte Programmierer, bis dahin waren da nur Berater und die Projektleitung tätig und haben tonnenweise Papier, aber kaum Code produziert. So konnte ich da viel schaffen und durfte so das Projekt für ein halbes Jahr unterstützen. In dieser Zeit wurde die Software bei zwei Kunden eingeführt, leider konnten aber keine neuen Kunden beworben werden, so musste ich mich wieder nach einem neuen Projekt umschauen.

Jetzt aber hatte ich es satt, dass ich selber nach Arbeit suchen musste obwohl noch 3 Vermittler an mir verdienten, so habe ich mir vorgenommen diese Schmarotzer endlich loszuwerden und mich selbständig zu machen. Eigentlich hatte ich dies schon immer vor, da ich zu Hause in Ungarn schon immer als Selbständiger gearbeitet habe, und es nie verstehen konnte, wie man es zulassen kann dass man an einem schamlos verdient. Ich habe dieser Sache schon früher nachgegangen, aber ich als Ausländer hatte nur sehr begrenzte Möglichkeiten, genauer gesagt ich konnte mich nicht selbständig machen. Jetzt aber da wir endlich in die EU aufgenommen werden, hoffte ich darauf dass ich jetzt mehr Chancen habe. Ich hatte aber keine Zeit dafür wieder alle Behörden durchzugehen, deshalb habe ich einen Freund gebeten und überredet sich selbständig zu machen, eine Firma zu gründen und mich mit der Greencard (damals war dies die beste Möglichkeit) einzustellen.

So wurde ich als Greencardler nur noch von einem abgezockt, und in dieser Konstruktion habe ich bei einem Überbleibselprojekt wieder angefangen. Diese Veränderung hat wiederum meinen Preis runtergedrückt, und die alten Abzocker wollten mich auch nicht so leicht gehen lassen. Der Leiter des Vermittlerfirmenbundes hat mich zu sich gebeten, und mir erklärt, dass ich auf keinen Fall die verlassen und unterbieten kann, sonst werden die mich verklagen. Zu meinem Glück hatte schon der Kunde diesen Menschen satt, so habe ich Rückendeckung bekommen und der wurde damit ruhig gestellt dass er für seine Personalfragen nicht die Räumlichkeiten beim Kunden benutzen durfte. Später wurde dieser Bund völlig aufgelöst, und die haben mir keinen Ärger mehr machen können.

Der Abbau ging aber immer weiter, außer mir wurden schon fast alle anderen Externen gekündigt, so sank die Mitarbeiterzahl auf 20 von früheren 120. Sogar mein Freund der jetzt eigentlich mein Chef war musste gehen, und mir wurde auch versprochen, sobald ich nicht mehr benötigt werde, kann ich auch gehen. In dieser Situation nach einem Jahr musste ich sogar meinen Freund abwechseln, da wir unsere Abmachung nur mündlich gemacht haben, und er wollte immer mehr von mir abziehen. Daraufhin habe ich als Angestellter in der Firma eines Bekannten angefangen, deshalb ist mein Preis schon wieder gefallen (jetzt habe ich sogar die 100 EUR Stundenlohngrenze unterschritten), aber zumindest haben wir alles per schriftlichen Vertrag geregelt.

Danach ist nur noch eine interessante Sache passiert. Für weitere Einsparungen hat man versucht das Projekt nach Indien zu outsourcen. Es kamen 5 Inder, und wollten nur innerhalb von 3 Monaten die Arbeiten der verbliebenen Leute übernehmen. Wir haben vergebens schon von Anfang an gesagt, dass es schon 6 Jahren Arbeit von mehr als hundert Leute im Projekt stecken, und dies wird nicht so schnell zu übergeben sein, aber die Verantwortlichen wollten nicht auf uns hören. Ich war derjenige, der mit der Übergabe anfangen sollte. Es stellte sich heraus, dass die Inder kein Deutsch, nur Englisch können, das hat man noch geschluckt, für mich war es aber eine gute Sprachübungsgelegenheit, und so durfte ich 3 Monate lang echte Beraterarbeit leisten: nur Labern und nichts konkretes produzieren. Am Ende ist das Outsourcing natürlich gescheitert, obwohl ich alles gegeben habe. Alle haben sich gewundert, wie ich den Leuten helfen kann, die meinen Arbeitsplatz wegnehmen werden, aber ich finde man sollte immer versuchen das Beste von sich zu zeigen und zu leisten.

Als Ungarn in die EU aufgenommen wurde, habe ich wieder damit angefangen mich selbstständig zu machen, und endlich mit Erfolg: ich habe die Erlaubnis für selbstständige Arbeit bekommen, leider wurde ich gerade dann endgültig aus dem Projekt entlassen, so musste ich nach Hause abreisen.