Meine Schuljahre und Erlebnisse an der Lóránd Eötvös Wissenschaftsuniversität (ELTE) in Budapest, Ungarn (1992-1997).
Die Universität
Da EDV mich schon immer interessiert hat, wollte ich unbedingt Programmierer werden, aber kein einfacher Kodierer (oder InformatikerProgrammierender Mathematiker
Diese Ausbildung dauert 6 Semester, und gibt ein Hochschuldiplom. Obwohl ich schon aufgenommen wurde, musste ich trotzdem zu einer Aufnahmebesprechung erscheinen, wo ich in kurzen Hosen auftauchte, da ich schon Stunden früher da ankam und es gar nicht nötig war meinen Anzug anzuziehen, man hat mich auch so reingelassen. Man wollte eigentlich nur meine Papiere sehen, und mir wurden solche Fragen gestellt, wie z. B. was mein Lieblingssport ist, usw. Schon am ersten Semestertag bin ich auf die Nase gefallen, da ich erst dann erfuhr, dass man nur an dem Tag sich für eine angekoppelte Fachübersetzerausbildung anmelden kann, und ich habe ohne jegliche Vorbereitung Englisch versucht. Natürlich haben fast alle 200 Erstsemestler (unser war der erste so große Jahrgang) auch diese Sprache gewählt, so war es auch kein Wunder dass ich es nicht geschafft habe in die 10 ausgewählten zu kommen. In den ersten Semestern haben wir wirklich nur Theorie gelernt, wir haben einen Rechner nicht einmal gesehen, dafür haben wir viel am Papier programmiert. Ich wohnte im Studentenwohnheim auch nur während den ersten Semestern, danach wollte ich mehr Freiheit für mich. Zu meinem Glück genau dann ist eine verwandte Familie für mehrere Jahre ins Ausland gereist, so durfte ich in deren Wohnung wohnen. Da ich bisher studienmäßig immer voll ausgelastet war, ich habe schon während des ersten Semesters alle vorgeschriebenen Humanfächer abgelegt (in der naturwissenschaftlichen Ausbildung muss man mindestens 3 solche Fächer absolvieren), danach fing ich an die Modemnetzwerke (BBS) und später an der Uni das Internet kennenzulernen. Nach dem vierten Semester habe ich mir ein Sommerpraktikum beim Jenõ Gothard Observatorium (wo ich früher im Rahmen des Astronomenkurses schon mal war) geholt, da dieses Institut gerade dann zur ELTE eingegliedert wurde, und dazu noch Sun ein Rechenzentrum dort eingerichtet hat. So durfte ich da die interne Oracle Datenbank ausbauen. Später habe ich auch meine Diplomarbeit hier geschrieben:Die GAO Datenbank. Ich sollte das Museumsmaterial des Observatoriums in eine Datenbank aufnehmen, ich habe lieber eine Weboberfläche empfohlen, was damals noch eine ziemliche Neuheit war. So habe ich als Diplomarbeit ein shell basiertes, sich selbst modifizierendes HTML Editorprogramm unter Motif/X-Windows erschaffen, die Arbeit selbst habe ich dann mit Hilfe dieses Programms fertiggeschrieben. Die letzten Tage war auch das erste Mal dass ich die Nacht durchgearbeitet habe. In diesem Sommer bin ich mit Hilfe von IAESTE als Praktikant in Köln gelandet, wo ich 2 Monate beim Bundesanstalt für Straßenwesen gearbeitet habe. So konnte ich das berüchtigte Beamtenleben von ganz nah beobachten, ich durfte an einen Großrechner dran und die ganze Zeit habe ich mit einem Laptop gearbeitet.
IT Systemplaner Mathematiker
Diese Folgeausbildung dauert noch weitere 2 Jahre, und gibt ein akademisches Diplom. Schon im ersten Semester bin ich mit meinem ersten Diplom losgezogen um Arbeit zu suchen. Ich habe aus dem Telefonbuch Softwarefirmen ausgesucht, wo ich nachgefragt habe, ob man da einen neuen Mitarbeiter brauchen könnte. Leider habe ich bei fast allen Adressen nur einen Briefkasten gefunden, und bei den wenigen echten Firmen hat man mich auch nicht ernst genommen, mit Ausnahme von einer Firma. So habe ich meinen ersten Arbeitsplatz gefunden, und das noch neben der Uni. Angestellter wollte ich nie werden, deshalb habe ich mich damals selbstständig gemacht. So konnte ich noch neben meiner Programmierertätigkeit auch andere Sachen machen, ich habe z. B. Unix Kursmaterial für HP fachübersetzt von Englisch ins Ungarische. Im Sommer bin ich wieder einmal nach Köln geflogen, weil man mit meiner Arbeit im letzten Jahr so zufrieden war, dass man die Praktikantenstelle speziell für mich reserviert hat. Die Aufgaben aber haben mich nicht voll ausgelastet, so in meiner Freizeit habe ich angefangen die damals noch ziemlich junge Programmiersprache Java zu studieren.
Ich bin einem Autorengruppe an der Uni beigetreten, wir wollten das erste ungarische Javabuch herausbringen:
- Java Programmiererhandbuch (ISBN 963 04 7417 4)
- ich habe das Kapitel Applets geschrieben.
Im letzten Studienjahr bin ich immer mehr ins Geschäftsleben eingetaucht: ich wurde Netzwerkadministrator im Gebäude meines Arbeitsplatzes, und fing auch an für zwei verschiedenen Firmen von Bekannten meiner Arbeitskollegen zu arbeiten. Dann musste ich die Wohnung zurückgeben, und eine Mietwohnung suchen. Ich habe ein Zimmer bei einer alten Frau gemietet, die hat mich aber viel zu lieb gehabt (die hat z. B. manchmal für mich gekocht), deshalb musste ich nach einem halben Jahr die Wohnung wieder wechseln: im Hochhaus gegenüber fand ich eine Mietwohnung mit einem Physikstudenten als Eigentümer. Für meine Diplomarbeit konnte ich einen Mitarbeiter für die Themenleitung gewonnen, und als Thema habe ich ein lebensnahes Problem gewählt: ich musste ein Programm für die Steuerung von Teilprojekten fertigstellen, und die Einbettung von Multimediamaterial in die Projekte ermöglichen.